Über Stock
und Stein

Zielstrebig zum Gipfel

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Nach fünf Minuten in Max’ Wohnung sitzt der kleine Mael schon auf Valerias Schoss. «Ich habe dich in der Zeitung gesehen», sagt die 9-Jährige zum Fechter. «Du liest Zeitung?», fragt Max zurück. Valeria lächelt. «Nein... Mein Gotti hat’s mir gezeigt!» Eigentlich ist sie ja mehr am 13 Monate alten Baby interessiert, als an Max’ Erfolgen als Fechter, also fragt sie den jungen Vater über Maels Gewohnheiten und Beschäftigungen aus. Es braucht nicht lange, da sticheln die beiden schon wie Bruder und Schwester. Max greift zum Schwert und fordert Valeria zum Duell heraus. Natürlich nur in der kindersicheren Styroporvariante.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Max Heinzer sich für Menschen mit einer Behinderung einsetzt. Er gibt offen zu, dass er am Anfang Hemmungen hatte und nicht immer genau wusste, wie er sich verhalten soll. «Ich finde es wichtig, dass wir handicapierte Menschen nicht zu Opfern machen, sondern einfach ganz normal mit ihnen umgehen und somit keine künstlichen Grenzen zwischen uns aufbauen», sagt er, und gibt Valeria noch einen Seitenhieb mit dem Schwert. Der Profi-Fechter aus Küssnacht weiss, wie es sich anfühlt, auf Hilfe angewiesen zu sein: Sein Erfolg basiert nicht zuletzt auf der langjährigen Unterstützung seiner Eltern, heute steht ihm zudem ein ganzes Team bei.

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Auch Procap ist ein Team, das Hilfe leistet. Der schweizweit grösste Mitgliederverband von und für Menschen mit einer Behinderung unterstützt seine rund 21'000 Mitglieder mit verschiedenen Dienstleistungen. Sei es auf der Suche nach einer hindernisfreien Wohnung, beim Wunsch nach dem eigenen Auto oder mit Weiterbildungen in unterschiedlichen Bereichen.

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Valeria meistert das Leben zwar am liebsten selber, hie und da muss aber auch sie Unterstützung einfordern. Aufgrund einer Hirnblutung nach der Geburt hat sie heute eine Gehbehinderung. Um ruhig stehen zu können, muss sie sich festhalten. Dann nimmt sie einfach kurz eine Hand, erarbeitet sich ihren Weg zielsicher und selbstverständlich. Von ihrer Behinderung lässt sich Valeria nicht bremsen: «Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann mach ich’s einfach», sagt das Mädchen mit den seidenen schwarzen Haaren und einem Flunkern in den Augen. So wie vor ein paar Monaten, als sie von Seewen aus den steilen Weg zum Timpel gemeistert hat. Ihre Eltern müssen das Mädchen in solchen Situationen zwar stützen, aufhalten würden sie die 9-Jährige aber nie. Denn sie wissen: Valeria packt das schon.