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Diese Geschwister teilen ihr Glück

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Diese Geschwister
teilen ihr Glück

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Bevor wir starten, holt Priska am Nebentisch noch kurz ihren Schal. Ihre Fingernägel sind rot lackiert. Auch Cornelia hat ihre bernsteinfarbene Kette und die filigranen Ohrringe auf den Pullover abgestimmt. Das Outfit soll sitzen, wenn die beiden Schwestern heute im Rampenlicht stehen. Cyrill und Simon sind da einfacher gestrickt: Sie tragen kurzes, blondes Haar, eine Softshell-Jacke und einen freundlichen Gesichtsausdruck. Die beiden Geschwisterpaare treffen sich zum ersten Mal – und die Chemie stimmt sofort. Kein Wunder, denn eine grosse Gemeinsamkeit haben sie unterbewusst schon. Beide haben sie jemanden an ihrer Seite, den niemand ersetzen könnte. «Er ist mehr als ein bester Freund für mich», bezeichnet Cyrill Rusch (17) seinen Zwillingsbruder. Und Cornelia, mit 21 Jahren die jüngere von den Cia-Schwestern, sagt: «Wir haben uns auch nach all den Jahren noch viel zu erzählen.»

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Nicht alle Menschen haben das Glück, Hand in Hand mit jemandem durchs Leben gehen zu können. Dann springt Procap, die grösste Schweizer Selbsthilfeorganisation für Menschen mit einem Handicap, ein. Sie verwirklicht Reiseträume oder organisiert sportliche Aktivitäten: 30 verschiedene Sportgruppen bieten den Mitgliedern vielfältige Möglichkeiten, sich regelmässig zu bewegen.

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Die Cia-Schwestern würden gern mal Wandern gehen mit Procap. Aber auch so ist ihr Alltag schon ziemlich farbig. Trotz der Diagnose Gangliosidose, welche ihre Körperfunktionen zunehmend einschränkt, pflegen sie ein aktives Leben. Mittwochs, an ihrem freien Tag, geht Cornelia reiten und freitags ist im Behindertenzentrum Höfli in Wangen, wo sie arbeiten, Musiktag. Sind dies die tollsten Tage der Woche? «Nein», lacht Cornelia, «jeder Tag ist schön!» Nebensächlichkeiten wie Regen trüben ihre Laune nicht im Geringsten. So richtig in sich haben’s aber die Ferien: Wien, Rom, Amsterdam – die Liste an fremden Städten, welche die Cias schon entdeckt haben, ist lang.

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Die Ruschs bleiben da näher am heimischen Wägital. Sie werden meist absorbiert von ihrer Lehre und der Volksmusik, die sie seit Kindesbeinen begleitet. 2018 haben sie ihre erste CD herausgebracht und dürfen von Auftritt zu Auftritt reisen. Von den Cias, finden sie, können sie in ihrem vollgepackten Alltag noch etwas lernen. «Ich bewundere ihre Lebensfreude» sagt Simon. «Während wir manchmal über Kleinigkeiten jammern, sehen sie bereits im Kleinen das grosse Glück.»